Einkaufswagen Grill

Spontane Upcycling-Aktion

Beyerberg, Dorfpokal 2010
Beyerberg, Dorfpokal 2010

In dem mittelfränkischen Dörfchen Beyerberg stellt der alljährlich veranstaltete Dorfpokal das kulturelle Vermächtniss dar. Höhepunkt dieser traditionellen Sport- und Trinkveranstaltung ist der Motto-Umzug durch das Dorf, ähnlich wie man es von karnevalistischen Faschingsumzügen kennt.

 

Das Motto der Mannschaft und des Fanclubs Gelb-Blau-Südhang lautete "Obdachlose/Penner". Für eine authentische Dekoration des Umzugs-Wagens wurde allerhand Schrott organisiert, darunter auch ein Einkaufswagen. Das Material traf am Vorabend des großen Tages ein.

Als ich das drahtige Transportfahrzeug erblickte, schoss mir direkt die Idee in den Kopf: Ich musste daraus unbedingt einen rollenden 1-Euro-Mehrweg-Grill basteln. Um als Begleitfahrzeug unseres Umzugswagens die feiernde Meute mit frischen Bratwürsten zu versorgen.

 

Mein Ziel war es, einen der Einkaufswagen in ein mobiles Grillgerät zu verwandeln. 
Bis zu Beginn des Umzugs waren es nur noch wenige Stunden, weshalb ich nur auf vorhandenes Material zugreifen konnte. Zudem sollte der Einkaufwagen bei Umbau und Benutzung nicht beschädigt werden, denn der war lediglich geliehen. Am nächsten Tag sollte er zurückgegeben werden.

 

Als Kohlewanne diente eine alte Waschwanne aus Zinkblech. Sie wurde mit dickem Draht an den Gitterkorb des Einkaufswagens gebunden. In Fahrtrichtung vorn wurde die Wanne mit dem Drahthaken in das Gitter des Wagens gehakt, so konnte man sie einfach herabklappen. Auf diese Weise konnte die Kohlewanne problemlos befüllt und angefeuert werden. Die Wanne war perfekt dimensioniert, es passte deutlich mehr als einen Sack Grillkohle hinein.

 

Der Boden des Einkaufswagen konnte ohne weiteres als Grillrost verwendet werden. Das lichte Maß des Gitters war genau richtig damit keine Bratwurst hindurch in die Glut fallen konnte.

 

Anfangs überwog die Skepsis über die gesundheitliche Unbedenklichkeit des alten, teils verrosteten Bodengitters. Darum grillten wir das erste Fleisch auf Aluminiumschalen. Zu späterer Stunde, nachdem auch das letzte Bakterium aufgrund der gigantischen Hitze der Holzkohleglut abgestorben sein sollte, wurde direkt auf dem Gitterrost gegrillt.

Zurückblickend war die Aktion ein großer Spaß. Der Einkaufswagen-Grill wies trotz allem einige Einschränkungen auf:

  • eingeschänkte Erreichbarkeit des Grillguts durch den hohen Gitterkorb.
  • Synchrones Schieben des Wagens und Wenden der Bratwurst war aus ergonomischen Gründen nicht ohne weiteres möglich.
  • Kohlewanne war zu tief, wodurch die Glut nicht optimal belüftet wurde. Die Luftzufuhr war nicht regelbar.

Mit sehr geringem Aufwand ist fast jeder Einkaufswagen als qualitativ hochwertiges , stabiles und erschwingliches Grillgerät zu gebrauchen. Wenn es nicht an Sachbeschädigung grenzen würde, könnte ich die Nutzung  eines Einkaufswagens als mobiles Grillgerät unbedingt empfehlen.